Vor dem Frühstück schon nach Post geguckt. Noch immer nicht die erhoffte Nachricht. Dafür kommt Ele mit Helene am Sonnabend nach Glienicke, ob ich auch komme. Natürlich.
Ich bin nach Schwaben eingeladen. Eles Reaktion auf die Neuigkeiten, die Ihr Mutti erzählt hat, ist "Bettina, du bist doch sonst so vernunftbegabt".
Von Querfunk der Hinweis, wann die Hörspiel-Prämierungssendung läuft. Dabei habe ich doch dieses Jahr gar nicht in Karlsruhe teilgenommen und habe mit denen auch nie Mail-Kontakt gehabt. Seltsam, zumal an die Adresse, an die ich nichtmal Spam kriege.
Und noch der Vorschlag, mich mit einem Internet-Tagebuch an Uwes und Roccos Wettschreiben zu beteiligen.
Halte das erst für absolut abwegig, auch wenn ich selbst privat fast regelmäßig Tagebuch schreibe.
Beim Frühstück finde ich aber Gefallen an der Idee und beschließe, mitzumachen. Schaden kann es nicht. Wahrscheinlich sogar eine gute Übung für Fleiß, Erinnerung und Form. Man kontrolliert sich genauer, sobald es öffentlich wird.
Dann von Piff in der Liste wie aufs Stichwort der Hinweis auf ein gutes Weblog-Angebot.
Karola fragt, ob ich am Sonntag im Puff kochen würde. Die die das sonst macht sei krank oder was, ich verstehe es nicht genau. Sage zu und habe sogar richtig Lust drauf. Lubosch will auch mitmachen.
Vergesse das Mittagessen vollkommen, weil mir der Sawatzki plötzlich doch noch Spass macht. Ich werde ihm das Lächerliche wieder nehmen müssen. Das war mein Problem. Man kann sich nicht 200 Seiten lang über jemanden lustig machen, man muss die Figur selbst noch lieben können. Das geht nicht, wenn sie permanent ad absurdum geführt wird.
Erst nach 17.00 Uhr spüre ich Hunger.
Grüne Bandnudeln mit Schweinegeschnetzeltem von Lubosch. Sehr gut und unerwarteter Weise ziemlich scharf. Kann mich aber gar nicht auf das, was er fragt und erzählt konzentrieren. Wahrscheinlich bemerkt er das und hört deshalb irgendwann auf zu sprechen.
Ich muss währenddessen an Antje Sydow denken und daran, dass sie bestimmt noch alles weiß, was sie mal in der Schule gelernt hat. Zum Beispiel wie das mit den Blutgruppen und der Vererbung ist. Alles mal ausführlich in Biologie gehabt. Ich weiß gerade noch, welche Blutgruppen es überhaupt gibt. Antje könnte sicherlich noch sämtliche Sonderfälle bei der Vererbung ausrechnen. Wie macht sie das bloß? Ich habe seit Jahren nichts mehr von ihr gehört.
Im Internet ist nichts weiter von ihr oder über sie zu finden, außer der Namensliste unseres Abiturjahrganges und einem Bild von ihr auf einer Stuttgarter Uni-Seite. Sie hat in Glasgow studiert und danach noch in Stuttgart.
Ich hätte Lust, sie wieder zu treffen. Dabei geht mir das bei all den anderen aus meinem Abiturjahrgang zumeist nicht so, im Gegenteil.
Beim Googeln nach Jesko, stellt sich heraus, dass er der CDU beigetreten ist und auf der JU-Seite so etwas ähnliches wie politische Reden von ihm liegen. Er setzt sich gegen die Pankower Grünen und gegen die Grünen überhaupt ein. Er war einer mit Einser-Abi und ich habe ihn als intelligent, wenn nicht gar klug in Erinnerung.
Vergoogle die Zeit, bis mir mein Vorhaben wieder einfällt und frisiere dann die Notizen der Woche, um sie möglichst noch vor Mitternacht auf die Seite setzen zu können.
Muss morgen daran denken, endlich die bestellte Florence Foster Jenkins-CD bei Bodo abzuholen. Die Frau singt so engagiert und schief, dass es mir ehrliche Tränen in die Augen treibt. Sie ist die Tragikomödie in Person. So muss die perfekte Romanfigur sein.
Ich bin nach Schwaben eingeladen. Eles Reaktion auf die Neuigkeiten, die Ihr Mutti erzählt hat, ist "Bettina, du bist doch sonst so vernunftbegabt".
Von Querfunk der Hinweis, wann die Hörspiel-Prämierungssendung läuft. Dabei habe ich doch dieses Jahr gar nicht in Karlsruhe teilgenommen und habe mit denen auch nie Mail-Kontakt gehabt. Seltsam, zumal an die Adresse, an die ich nichtmal Spam kriege.
Und noch der Vorschlag, mich mit einem Internet-Tagebuch an Uwes und Roccos Wettschreiben zu beteiligen.
Halte das erst für absolut abwegig, auch wenn ich selbst privat fast regelmäßig Tagebuch schreibe.
Beim Frühstück finde ich aber Gefallen an der Idee und beschließe, mitzumachen. Schaden kann es nicht. Wahrscheinlich sogar eine gute Übung für Fleiß, Erinnerung und Form. Man kontrolliert sich genauer, sobald es öffentlich wird.
Dann von Piff in der Liste wie aufs Stichwort der Hinweis auf ein gutes Weblog-Angebot.
Karola fragt, ob ich am Sonntag im Puff kochen würde. Die die das sonst macht sei krank oder was, ich verstehe es nicht genau. Sage zu und habe sogar richtig Lust drauf. Lubosch will auch mitmachen.
Vergesse das Mittagessen vollkommen, weil mir der Sawatzki plötzlich doch noch Spass macht. Ich werde ihm das Lächerliche wieder nehmen müssen. Das war mein Problem. Man kann sich nicht 200 Seiten lang über jemanden lustig machen, man muss die Figur selbst noch lieben können. Das geht nicht, wenn sie permanent ad absurdum geführt wird.
Erst nach 17.00 Uhr spüre ich Hunger.
Grüne Bandnudeln mit Schweinegeschnetzeltem von Lubosch. Sehr gut und unerwarteter Weise ziemlich scharf. Kann mich aber gar nicht auf das, was er fragt und erzählt konzentrieren. Wahrscheinlich bemerkt er das und hört deshalb irgendwann auf zu sprechen.
Ich muss währenddessen an Antje Sydow denken und daran, dass sie bestimmt noch alles weiß, was sie mal in der Schule gelernt hat. Zum Beispiel wie das mit den Blutgruppen und der Vererbung ist. Alles mal ausführlich in Biologie gehabt. Ich weiß gerade noch, welche Blutgruppen es überhaupt gibt. Antje könnte sicherlich noch sämtliche Sonderfälle bei der Vererbung ausrechnen. Wie macht sie das bloß? Ich habe seit Jahren nichts mehr von ihr gehört.
Im Internet ist nichts weiter von ihr oder über sie zu finden, außer der Namensliste unseres Abiturjahrganges und einem Bild von ihr auf einer Stuttgarter Uni-Seite. Sie hat in Glasgow studiert und danach noch in Stuttgart.
Ich hätte Lust, sie wieder zu treffen. Dabei geht mir das bei all den anderen aus meinem Abiturjahrgang zumeist nicht so, im Gegenteil.
Beim Googeln nach Jesko, stellt sich heraus, dass er der CDU beigetreten ist und auf der JU-Seite so etwas ähnliches wie politische Reden von ihm liegen. Er setzt sich gegen die Pankower Grünen und gegen die Grünen überhaupt ein. Er war einer mit Einser-Abi und ich habe ihn als intelligent, wenn nicht gar klug in Erinnerung.
Vergoogle die Zeit, bis mir mein Vorhaben wieder einfällt und frisiere dann die Notizen der Woche, um sie möglichst noch vor Mitternacht auf die Seite setzen zu können.
Muss morgen daran denken, endlich die bestellte Florence Foster Jenkins-CD bei Bodo abzuholen. Die Frau singt so engagiert und schief, dass es mir ehrliche Tränen in die Augen treibt. Sie ist die Tragikomödie in Person. So muss die perfekte Romanfigur sein.
Bettina Andrae - am Samstag, 08. Februar 2003, 01:31
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Um 7.30 Uhr morgens ein Termin bei Frau Saffert, den ich mir nur deshalb so früh geben ließ, weil ich eigentlich glaubte, schon diese Woche immer 9.30 Uhr in der Wörther Strasse sein zu müssen. Dieser Trugschluss beschert mir aber die schöne Busfahrt durch die morgendliche, verschneite Landschaft.
Lubosch fährt mich noch bis zum Bus, da er gerade kommt als ich mich auf den Weg machen will. Er erzählt von Spinne und Dose und dass es im Muff-Club total lange abging.
Immer wieder verwunderlich, dass Schnee hier draußen schon oder noch liegt, wenn er in der Stadt noch oder schon taut. Die paar Kilometer.
Ich hätte den Arzt ja nach meinem Auszug eigentlich auch mal wechseln können, dann hätte ich es nicht immer so weit. Aber schließlich war Frau Saffert in Maria Heimsuchung schon bei meiner Geburt dabei.
Ich muss mich wiegen und wieder freuen sie sich über die Zunahme so sehr wie sie mich ärgert. Schon über vier Kilogramm seitdem. Fünfzehn seien zu erwarten und ganz normal, sagt die Schwester mit einem Grinsen, dass mir geradezu gehässig erscheint.
Während der Ultraschall-Untersuchung habe ich das Gefühl, Frau Saffert registriert misstrauisch mein Unwohlsein und schlecht überspieltes Desinteresse. Mit fortschreitender Untersuchungsdauer nimmt beides zu. Ich will hier eigentlich wieder weg, mir nicht irgendwelche Knochenquerschnitte ansehen, Blubbergeräusche anhören und Herzströme auf Graphiken verfolgen.
Ich bekomme wieder so ein Photo und den Mutterpass. Ich muss laut lachen als ich ihn in Händen halte. Mutterpass - das klingt nach Lebensborn-Heim und Mutterkreuz. Das sage ich Frau Saffert allerdings nicht, obwohl ihre Blicke nach Aufklärung zu verlangen scheinen.
Zum Abschluss bekomme ich von der Schwester noch feierlich einen schweren Karton überreicht, auf dem bald... - das Geschenkpaket für die werdende Mutter steht. Er wiegt mindestens drei Kilogramm, die ich jetzt in meinen Rucksack stopfen und mit nach Hause nehmen muss.
Erinnere mich, dass Dose mir schon irgendwas davon erzählt hat.
Auf der Rückfahrt im Bus untersuche ich das Geschenk. Ein Haufen Werbezeitungen für Babybrei, Kinderkosmetik und solchen Kram. Schweinerei!
Sehe mir den Mutterpass an und stelle mit Entsetzen fest, dass dort bei Verdacht auf Mehrlinge Ja angekreuzt ist.
Waaaas? Das kann nicht wahr sein. Das hätte mir Frau Saffert doch... Ich hätte doch besser richtig auf den Bildschirm gucken sollen. Hat Uwe nicht erzählt...
Verdammt! Ist das jetzt die Rache dafür, dass ich mich trotz allem nicht dagegen entschieden habe?
Vollkommen aufgelöst in die Lotterstrasse. Lubosch schläft.
Ich muss das klären. Rufe in der Praxis an, ich wäre gerade da gewesen, hätte diesen Pass bekommen und dann das Kreuz bei Ja. Warum?
Die Schwester lacht mich aus. Nein, da läge natürlich ein Fehler vor. Sie hätte ein älteres Modell gegriffen, da sind die Ja- und Neinfelder noch anders herum als bei den neuen. Ein reiner Gewohnheitsfehler. Sie sagt tatsächlich Gewohnheitsfehler.
Beruhigung über den Fakt und Ärger wegen der Schlampigkeit wechseln sich ab. Aber nicht, dass ich das an Ort und Stelle herauslassen würde - nein das tue ich erst Stunden später Lubosch gegenüber. Typisch.
Uwe antwortet schnell auf meine Post, in der ich auf seine Sorgen um die eigene Gesundheit eingegangen bin und ihm seine Informationspolitik vorgeworfen habe. Seine Witze lassen darauf schließen, dass er nun etwas entspannter ist.
Gegen 11.00 mit Oigen im Übereck. Unsere Pläne bezüglich des Ortes scheinen sofort geplatzt. Schon bei Betreten des Cafés ein Schild an der Eingangstür, das die montäglichen Konzerte dort bewirbt.
Oigen bestellt ein kleines Frühstück, das er erst als viel zu groß befindet und dann doch ratzekahl auffuttert. Ich nehme Rühreier.
Lustig, dass es ihm genauso ging wie mir, als er Ludmillas langen Text in der Frankfurter Rundschau gesehen hat. Ich habe es den anderen ja auch geradezu unter die Nase gerieben, sonst wären sie wohl gar nicht darauf gestossen. Ludmilla selbst hat auch nichts gesagt.
Oigen hatte sogar den gleichen bösen ersten Gedanken dabei wie ich. Dass es eigentlich nur Neid ist, darüber sind wir uns einig und lästern deshalb guten Gewissens weiter. Er verabschiedet mich mit den Worten "Jetzt aber wieder an die Arbeit" und keiner muss darüber lachen, weil es etwa Ironie gewesen wäre.
Beim Rückweg mit dem Fahrrad ärgere ich mich dann aber doch über mich. Schließlich, selbst wenn dem bösen Gedanken eine Tatsache zugrunde läge, würde es gar nichts bedeuten. Was hätte man bei mir schon alles Böses denken können, wenn man gewollt hätte. Außer bei Rocco hatte ich da aber noch bei niemandem das Gefühl. Sowieso, Rocco gegenüber habe ich Berührungsängste. Wenn ich ihn zufällig treffe, bemühe ich mich, schnell woanders hinzusehen, damit er denkt, ich hätte ihn gar nicht bemerkt und ich ihn nicht unsicher grüßen muss. Ich glaube ihm sogar einen Gefallen damit zu tun.
Interessanterweise habe ich an ihm das gleiche Verhalten gegenüber Lubosch beobachtet. Er stellt sich nur ungeschickter an, blickt ihm kurz ins Gesicht und sieht dann erst weg. Vielleicht ist es auch Absicht so.
Am Mac nochmal Uwe-Post. Er wirkt regelrecht gelöst, wird frech.
Bis zum frühen Abend dann: stückeln am Sawatzki.
Lubosch erzählt mir von einem Wettbewerb, bei dem man ein 400 Euro teures Handspring Treo gewinnen kann, wenn man ein Gedicht zum Thema Das anstehende macnews.de-Jubilaeum schickt, das sie da gut finden.
Ob ich ihm nicht schnell eins schreiben wolle, das er dann schicken könne. Er müsse unbedingt das Teil gewinnen. Ein Palm mit Handy und irgendwelchem Schnick-Schnack. Ich lehne ab, weil ich doch diese mac-news gar nicht abonniert und deshalb keine Themenvorstellung habe.
Egal, irgendwas mit Mac halt, bitte!
Also schreibe ich.
mac mac mac
an dir hab ich nur freude
du bist mein liebstes tier
die eleganz von seide
doch power wie ein stier
mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock
mein herz hüpft wie ein icon
hopp - im 3/4 takt
sich finder, mail und itune
entfalten - nix abkackt
mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock
beliebst du mal zu zicken
vereitelst meine clous
tu ich nachsichtig nicken
und wend' mich an die news
mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock
Herrlich! Und alles klein geschrieben, wie bei echter Lyrik. Lubosch ist von seinem Gewinn überzeugt. Es macht ihm richtig Freude, seinen Namen darunter zu setzen. Vielleicht ist er tief in seinem Herzen ja auch ein Dichter.
Mit Rick und Lubosch Pizza. Schmeckt scheußlich.
Überlege, ob ich zu Falkes und Karlchens Auftritt gehe, habe aber keine Lust auf das Drumherum.
Stattdessen dann zu meiner Schwester in ihre neue Wohnung. Hell, ruhig, riesengroß, zwei Balkone und schon zum Wohlfühlen, obwohl gerade erst bezogen. Neid.
Dafür ist sie neidisch auf mich. "Du kannst das dann immer zu mir bringen, ich würde mich freuen."
Lubosch fährt mich noch bis zum Bus, da er gerade kommt als ich mich auf den Weg machen will. Er erzählt von Spinne und Dose und dass es im Muff-Club total lange abging.
Immer wieder verwunderlich, dass Schnee hier draußen schon oder noch liegt, wenn er in der Stadt noch oder schon taut. Die paar Kilometer.
Ich hätte den Arzt ja nach meinem Auszug eigentlich auch mal wechseln können, dann hätte ich es nicht immer so weit. Aber schließlich war Frau Saffert in Maria Heimsuchung schon bei meiner Geburt dabei.
Ich muss mich wiegen und wieder freuen sie sich über die Zunahme so sehr wie sie mich ärgert. Schon über vier Kilogramm seitdem. Fünfzehn seien zu erwarten und ganz normal, sagt die Schwester mit einem Grinsen, dass mir geradezu gehässig erscheint.
Während der Ultraschall-Untersuchung habe ich das Gefühl, Frau Saffert registriert misstrauisch mein Unwohlsein und schlecht überspieltes Desinteresse. Mit fortschreitender Untersuchungsdauer nimmt beides zu. Ich will hier eigentlich wieder weg, mir nicht irgendwelche Knochenquerschnitte ansehen, Blubbergeräusche anhören und Herzströme auf Graphiken verfolgen.
Ich bekomme wieder so ein Photo und den Mutterpass. Ich muss laut lachen als ich ihn in Händen halte. Mutterpass - das klingt nach Lebensborn-Heim und Mutterkreuz. Das sage ich Frau Saffert allerdings nicht, obwohl ihre Blicke nach Aufklärung zu verlangen scheinen.
Zum Abschluss bekomme ich von der Schwester noch feierlich einen schweren Karton überreicht, auf dem bald... - das Geschenkpaket für die werdende Mutter steht. Er wiegt mindestens drei Kilogramm, die ich jetzt in meinen Rucksack stopfen und mit nach Hause nehmen muss.
Erinnere mich, dass Dose mir schon irgendwas davon erzählt hat.
Auf der Rückfahrt im Bus untersuche ich das Geschenk. Ein Haufen Werbezeitungen für Babybrei, Kinderkosmetik und solchen Kram. Schweinerei!
Sehe mir den Mutterpass an und stelle mit Entsetzen fest, dass dort bei Verdacht auf Mehrlinge Ja angekreuzt ist.
Waaaas? Das kann nicht wahr sein. Das hätte mir Frau Saffert doch... Ich hätte doch besser richtig auf den Bildschirm gucken sollen. Hat Uwe nicht erzählt...
Verdammt! Ist das jetzt die Rache dafür, dass ich mich trotz allem nicht dagegen entschieden habe?
Vollkommen aufgelöst in die Lotterstrasse. Lubosch schläft.
Ich muss das klären. Rufe in der Praxis an, ich wäre gerade da gewesen, hätte diesen Pass bekommen und dann das Kreuz bei Ja. Warum?
Die Schwester lacht mich aus. Nein, da läge natürlich ein Fehler vor. Sie hätte ein älteres Modell gegriffen, da sind die Ja- und Neinfelder noch anders herum als bei den neuen. Ein reiner Gewohnheitsfehler. Sie sagt tatsächlich Gewohnheitsfehler.
Beruhigung über den Fakt und Ärger wegen der Schlampigkeit wechseln sich ab. Aber nicht, dass ich das an Ort und Stelle herauslassen würde - nein das tue ich erst Stunden später Lubosch gegenüber. Typisch.
Uwe antwortet schnell auf meine Post, in der ich auf seine Sorgen um die eigene Gesundheit eingegangen bin und ihm seine Informationspolitik vorgeworfen habe. Seine Witze lassen darauf schließen, dass er nun etwas entspannter ist.
Gegen 11.00 mit Oigen im Übereck. Unsere Pläne bezüglich des Ortes scheinen sofort geplatzt. Schon bei Betreten des Cafés ein Schild an der Eingangstür, das die montäglichen Konzerte dort bewirbt.
Oigen bestellt ein kleines Frühstück, das er erst als viel zu groß befindet und dann doch ratzekahl auffuttert. Ich nehme Rühreier.
Lustig, dass es ihm genauso ging wie mir, als er Ludmillas langen Text in der Frankfurter Rundschau gesehen hat. Ich habe es den anderen ja auch geradezu unter die Nase gerieben, sonst wären sie wohl gar nicht darauf gestossen. Ludmilla selbst hat auch nichts gesagt.
Oigen hatte sogar den gleichen bösen ersten Gedanken dabei wie ich. Dass es eigentlich nur Neid ist, darüber sind wir uns einig und lästern deshalb guten Gewissens weiter. Er verabschiedet mich mit den Worten "Jetzt aber wieder an die Arbeit" und keiner muss darüber lachen, weil es etwa Ironie gewesen wäre.
Beim Rückweg mit dem Fahrrad ärgere ich mich dann aber doch über mich. Schließlich, selbst wenn dem bösen Gedanken eine Tatsache zugrunde läge, würde es gar nichts bedeuten. Was hätte man bei mir schon alles Böses denken können, wenn man gewollt hätte. Außer bei Rocco hatte ich da aber noch bei niemandem das Gefühl. Sowieso, Rocco gegenüber habe ich Berührungsängste. Wenn ich ihn zufällig treffe, bemühe ich mich, schnell woanders hinzusehen, damit er denkt, ich hätte ihn gar nicht bemerkt und ich ihn nicht unsicher grüßen muss. Ich glaube ihm sogar einen Gefallen damit zu tun.
Interessanterweise habe ich an ihm das gleiche Verhalten gegenüber Lubosch beobachtet. Er stellt sich nur ungeschickter an, blickt ihm kurz ins Gesicht und sieht dann erst weg. Vielleicht ist es auch Absicht so.
Am Mac nochmal Uwe-Post. Er wirkt regelrecht gelöst, wird frech.
Bis zum frühen Abend dann: stückeln am Sawatzki.
Lubosch erzählt mir von einem Wettbewerb, bei dem man ein 400 Euro teures Handspring Treo gewinnen kann, wenn man ein Gedicht zum Thema Das anstehende macnews.de-Jubilaeum schickt, das sie da gut finden.
Ob ich ihm nicht schnell eins schreiben wolle, das er dann schicken könne. Er müsse unbedingt das Teil gewinnen. Ein Palm mit Handy und irgendwelchem Schnick-Schnack. Ich lehne ab, weil ich doch diese mac-news gar nicht abonniert und deshalb keine Themenvorstellung habe.
Egal, irgendwas mit Mac halt, bitte!
Also schreibe ich.
mac mac mac
an dir hab ich nur freude
du bist mein liebstes tier
die eleganz von seide
doch power wie ein stier
mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock
mein herz hüpft wie ein icon
hopp - im 3/4 takt
sich finder, mail und itune
entfalten - nix abkackt
mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock
beliebst du mal zu zicken
vereitelst meine clous
tu ich nachsichtig nicken
und wend' mich an die news
mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock
Herrlich! Und alles klein geschrieben, wie bei echter Lyrik. Lubosch ist von seinem Gewinn überzeugt. Es macht ihm richtig Freude, seinen Namen darunter zu setzen. Vielleicht ist er tief in seinem Herzen ja auch ein Dichter.
Mit Rick und Lubosch Pizza. Schmeckt scheußlich.
Überlege, ob ich zu Falkes und Karlchens Auftritt gehe, habe aber keine Lust auf das Drumherum.
Stattdessen dann zu meiner Schwester in ihre neue Wohnung. Hell, ruhig, riesengroß, zwei Balkone und schon zum Wohlfühlen, obwohl gerade erst bezogen. Neid.
Dafür ist sie neidisch auf mich. "Du kannst das dann immer zu mir bringen, ich würde mich freuen."
Bettina Andrae - am Samstag, 08. Februar 2003, 01:30
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Von früh morgens bis 13.00 Uhr spazieren. Eigentlich nur einkaufen gehen wollen, dann aber einfach immer weiter nach Norden raus gelaufen. Sollte man überhaupt öfter machen. Viel besser als das Fahrradfahren.
Wie dumm, dass ich nie mein Vorhaben wahr gemacht habe, für ein paar Monate rauszuziehen. Ich hätte nur Hannah um den Schlüssel für das Haus in Sarmstorf bitten müssen. Das wäre genau das richtige gewesen. Jetzt ist es zu spät dazu.
Sarmstorf würde Uwe bestimmt gefallen. Etwa zehn Reetdach-Backsteinhäuser an einem buckligen Sandweg entlang. Auf dem Strassenschild "Heiner-Müller-Allee".
Zu Hause Post an die Truppe, Link zu Ludmillas Zeitungsdebüt. Beim Anklicken des Send-Buttons schon ein blödes Gefühl. Zum Glück wird sie die Spitze wahrscheinlich gar nicht erkennen, was eigentlich doppelt gemein ist. Im Kontext genau genommen sogar dreifach.
Mit dem Neid ist es eine idiotische Sache. Er ist meist dann am stärksten, wenn ich das Gefühl habe, etwas Minderwertiges wird zu Unrecht honoriert, etwas das ich selbst besser zu können glaube. Andererseits ist er ja genau dann vollkommen unnötig. Scheiße.
Lege mich am Nachmittag ins Bett und schlafe, da ich vom Laufen müde und außerdem leicht verschnupft bin.
Abends "Meet the feeble". Habe beim ersten Hören des Titels immer Mieze-Fibel verstanden.
Schlafe mitten im Film ein.
Wie dumm, dass ich nie mein Vorhaben wahr gemacht habe, für ein paar Monate rauszuziehen. Ich hätte nur Hannah um den Schlüssel für das Haus in Sarmstorf bitten müssen. Das wäre genau das richtige gewesen. Jetzt ist es zu spät dazu.
Sarmstorf würde Uwe bestimmt gefallen. Etwa zehn Reetdach-Backsteinhäuser an einem buckligen Sandweg entlang. Auf dem Strassenschild "Heiner-Müller-Allee".
Zu Hause Post an die Truppe, Link zu Ludmillas Zeitungsdebüt. Beim Anklicken des Send-Buttons schon ein blödes Gefühl. Zum Glück wird sie die Spitze wahrscheinlich gar nicht erkennen, was eigentlich doppelt gemein ist. Im Kontext genau genommen sogar dreifach.
Mit dem Neid ist es eine idiotische Sache. Er ist meist dann am stärksten, wenn ich das Gefühl habe, etwas Minderwertiges wird zu Unrecht honoriert, etwas das ich selbst besser zu können glaube. Andererseits ist er ja genau dann vollkommen unnötig. Scheiße.
Lege mich am Nachmittag ins Bett und schlafe, da ich vom Laufen müde und außerdem leicht verschnupft bin.
Abends "Meet the feeble". Habe beim ersten Hören des Titels immer Mieze-Fibel verstanden.
Schlafe mitten im Film ein.
Bettina Andrae - am Samstag, 08. Februar 2003, 01:27
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Papa ruft mich 8.00 Uhr morgens an. Wohl weil er glaubt, mich damit zu wecken. Ein Spiel, von dem ich ihm gerne mal sagen würde, wie albern ich es finde. Ich tue es aber nie. Er hofft, dass ich müde und verstört klinge, damit er mir Vorwürfe wegen späten Aufstehens machen kann. Da er merkt, dass ich schon längst wach bin, versucht er es mit Belanglosem.
"Na, schon gefrühstückt?"
"Ja."
"Aha."
Er weiß nichts rechtes zu sagen, hat gar kein wirkliches Anliegen. Wahrscheinlich hat er sich sogar selbst extra den Wecker stellen müssen, um mich zu dieser Zeit anzurufen.
Und ich helfe ihm auch noch aus der verdienten Klemme, indem ich ein Gespräch beginne.
"Ich wollte dich sowieso anrufen und fragen, ob es noch mehr Photos vom Onkel Bui in der Messerschmitt gibt. Ich habe nur das eine, das genau an der Stelle abgeschnitten ist, wo zu sehen wäre, wie viel er abgeschossen hat."
Das war ein Fehler.
"Wozu musst du das denn wissen? Schreibst du jetzt Landser-Romantik?"
"Nein. Es interessiert mich einfach. Man sieht nur so ein halbes Hakenkreuzchen."
"So ein Quatsch! Du glaubst, dass die für jedes abgeschossene feindliche Flugzeug ein Hakenkreuz-Abziehbildchen auf ihre Maschinen geklebt bekommen haben?"
"So ähnlich, hab ich gehört. Immerhin weißt du ja gleich, wovon ich spreche. So falsch kann es ja nicht sein."
"Doch. Ist falsch."
"Na dann.."
"..."
"Bettina?"
"Ja?"
"Was wolltest du denn nun wissen?"
"Nichts, ich hab gerade gemerkt, dass ich mich geirrt habe."
"Ach so.."
"Ja."
"Na dann."
"Ja, bis dann. Tschüss."
"Tschüss."
Mist. Genau so sah die Kommunikation zwischen uns beiden das letzte Jahr, damals bevor ich zu Hause ausgezogen bin, aus.
Er ärgert sich nach solchen Situationen bestimmt nicht weniger als ich. Irgendetwas lässt uns beide aber in regelmäßigen Abständen wie bockige Kinder miteinander zanken.
Versuche bis Mittag am Sawatzki weiterzukommen. Es gelingt mir aber nichts brauchbares, weil ich mich immer noch über Papa ärgere. Außerdem bemerke ich schon seit längerem eine Unlust an der ganzen Sache. Dabei war ich erst so überzeugt davon. Eigentlich ist es ja nur ein einziger Witz, dessen Pointe an der richtigen Stelle platziert und davor möglichst unauffällig umschifft sein will. Das ist so Strategie-Geschreibe, wie es fürs Krimi-Schreiben wohl sinnvoll ist.
Außerdem ist mir die Phantasiefigur Sawatzki nicht nahe genug, um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Obwohl ich mit ihr nahezu authentisch wäre, wenn ich es jetzt doch nicht zu Ende bringe.
Oigen musste schon lachen, als ich ihm von meinen Zweifeln erzählt habe. Er fragt immer nach, seit ich ihm vom Sawatzki erzählt habe. Er meint, man solle sich das ganze mal vor dreihundert Jahren vorstellen und wie absurd es dann wäre.
Genau weiß ich nicht, wie er das meint. Aber das geht mir bei ihm schließlich öfter so.
Ich weiß nur, wie absurd es wäre, wenn man das Manuskript mal nach meinem Tod finden würde, als einziges von mir.
Meinen Kindern könnte man das natürlich mal wünschen. Es wäre ihr Schaf im Trocknen.
Das Problem mit der Mammut-Saga ist wiederum, dass ich das Gefühle habe, es wäre zu früh dazu, wobei das Material schon unübersichtlich viel geworden ist. Ich merke, wie ich erst jetzt beginne, mich an entscheidende Sachen zu erinnern. Erinnerung mit einer gewissen Qualität, die einzelnes zusammenführt, logisch ist und reflektiert. Seit kurzem kommt nahezu täglich neues dazu, woran ich mich vor nur einem halben Jahr noch nicht hätte erinnern können, obwohl die Dinge sehr lange zurück liegen. Wie viel da noch versteckt sein muss.
Zum Mittag frisches Schwarzbrot mit Butter und Pflaumenmus.
Dabei Kerstin Hensels "Sperrgusche Trulla" aus "Im Spinnenhaus" noch einmal. Das lebt mehr von der Stimmung als von der eigentlichen Geschichte, die mir ein bisschen zu antiquiert-edelkitschig ist. Die Sprache wabert so komisch zwischen lyrisch und manieriert. Da muss man sich wirklich drauf einlassen wollen.
Um die Fähigkeit, diese Stimmung zu erzeugen beneide ich sie. Genau das gleiche, was mich als Kind schon an Preußlers Krabat fasziniert hat. Überhaupt, Krabat noch mal lesen.
Ich freue mich auf die Lesung mit ihr, kann mir aber nicht vorstellen, wie das aussehen soll.
Ich habe sie schließlich noch nie persönlich kennen gelernt. Und dann treffe ich vielleicht fünf Minuten vor der Lesung das erste mal mit ihr zusammen:
"Hallo ich bin Bettina."
"Ich bin Kerstin."
"Wir lesen hier heute zu zweit."
"Ja, habe ich auch schon von gehört."
"Wie viel Sachen machst du?"
"Wie viel denn Du?"
Ich werde versuchen, sie vorher schon mal zu treffen. Vielleicht kann man sich ein gemeinsames Thema ausmachen.
"Na, schon gefrühstückt?"
"Ja."
"Aha."
Er weiß nichts rechtes zu sagen, hat gar kein wirkliches Anliegen. Wahrscheinlich hat er sich sogar selbst extra den Wecker stellen müssen, um mich zu dieser Zeit anzurufen.
Und ich helfe ihm auch noch aus der verdienten Klemme, indem ich ein Gespräch beginne.
"Ich wollte dich sowieso anrufen und fragen, ob es noch mehr Photos vom Onkel Bui in der Messerschmitt gibt. Ich habe nur das eine, das genau an der Stelle abgeschnitten ist, wo zu sehen wäre, wie viel er abgeschossen hat."
Das war ein Fehler.
"Wozu musst du das denn wissen? Schreibst du jetzt Landser-Romantik?"
"Nein. Es interessiert mich einfach. Man sieht nur so ein halbes Hakenkreuzchen."
"So ein Quatsch! Du glaubst, dass die für jedes abgeschossene feindliche Flugzeug ein Hakenkreuz-Abziehbildchen auf ihre Maschinen geklebt bekommen haben?"
"So ähnlich, hab ich gehört. Immerhin weißt du ja gleich, wovon ich spreche. So falsch kann es ja nicht sein."
"Doch. Ist falsch."
"Na dann.."
"..."
"Bettina?"
"Ja?"
"Was wolltest du denn nun wissen?"
"Nichts, ich hab gerade gemerkt, dass ich mich geirrt habe."
"Ach so.."
"Ja."
"Na dann."
"Ja, bis dann. Tschüss."
"Tschüss."
Mist. Genau so sah die Kommunikation zwischen uns beiden das letzte Jahr, damals bevor ich zu Hause ausgezogen bin, aus.
Er ärgert sich nach solchen Situationen bestimmt nicht weniger als ich. Irgendetwas lässt uns beide aber in regelmäßigen Abständen wie bockige Kinder miteinander zanken.
Versuche bis Mittag am Sawatzki weiterzukommen. Es gelingt mir aber nichts brauchbares, weil ich mich immer noch über Papa ärgere. Außerdem bemerke ich schon seit längerem eine Unlust an der ganzen Sache. Dabei war ich erst so überzeugt davon. Eigentlich ist es ja nur ein einziger Witz, dessen Pointe an der richtigen Stelle platziert und davor möglichst unauffällig umschifft sein will. Das ist so Strategie-Geschreibe, wie es fürs Krimi-Schreiben wohl sinnvoll ist.
Außerdem ist mir die Phantasiefigur Sawatzki nicht nahe genug, um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Obwohl ich mit ihr nahezu authentisch wäre, wenn ich es jetzt doch nicht zu Ende bringe.
Oigen musste schon lachen, als ich ihm von meinen Zweifeln erzählt habe. Er fragt immer nach, seit ich ihm vom Sawatzki erzählt habe. Er meint, man solle sich das ganze mal vor dreihundert Jahren vorstellen und wie absurd es dann wäre.
Genau weiß ich nicht, wie er das meint. Aber das geht mir bei ihm schließlich öfter so.
Ich weiß nur, wie absurd es wäre, wenn man das Manuskript mal nach meinem Tod finden würde, als einziges von mir.
Meinen Kindern könnte man das natürlich mal wünschen. Es wäre ihr Schaf im Trocknen.
Das Problem mit der Mammut-Saga ist wiederum, dass ich das Gefühle habe, es wäre zu früh dazu, wobei das Material schon unübersichtlich viel geworden ist. Ich merke, wie ich erst jetzt beginne, mich an entscheidende Sachen zu erinnern. Erinnerung mit einer gewissen Qualität, die einzelnes zusammenführt, logisch ist und reflektiert. Seit kurzem kommt nahezu täglich neues dazu, woran ich mich vor nur einem halben Jahr noch nicht hätte erinnern können, obwohl die Dinge sehr lange zurück liegen. Wie viel da noch versteckt sein muss.
Zum Mittag frisches Schwarzbrot mit Butter und Pflaumenmus.
Dabei Kerstin Hensels "Sperrgusche Trulla" aus "Im Spinnenhaus" noch einmal. Das lebt mehr von der Stimmung als von der eigentlichen Geschichte, die mir ein bisschen zu antiquiert-edelkitschig ist. Die Sprache wabert so komisch zwischen lyrisch und manieriert. Da muss man sich wirklich drauf einlassen wollen.
Um die Fähigkeit, diese Stimmung zu erzeugen beneide ich sie. Genau das gleiche, was mich als Kind schon an Preußlers Krabat fasziniert hat. Überhaupt, Krabat noch mal lesen.
Ich freue mich auf die Lesung mit ihr, kann mir aber nicht vorstellen, wie das aussehen soll.
Ich habe sie schließlich noch nie persönlich kennen gelernt. Und dann treffe ich vielleicht fünf Minuten vor der Lesung das erste mal mit ihr zusammen:
"Hallo ich bin Bettina."
"Ich bin Kerstin."
"Wir lesen hier heute zu zweit."
"Ja, habe ich auch schon von gehört."
"Wie viel Sachen machst du?"
"Wie viel denn Du?"
Ich werde versuchen, sie vorher schon mal zu treffen. Vielleicht kann man sich ein gemeinsames Thema ausmachen.
Bettina Andrae - am Samstag, 08. Februar 2003, 01:23
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Wache schon mit schlechtem Gewissen auf, weil ich den zweiten Text für abends noch nicht fertig habe. Den Anfang ja - aber wo soll das hinführen? Werden sie "Luzi De Momenté" verstehen oder muss ich das erklären? Wirkt es ambitioniert, auf einer Lesebühne Descartes und das Bewusstsein zu thematisieren?
Fühle mich unbehaglich. Vor allem wegen des Traumes. Eigentlich nur die exakte Wiederholung eines Gesprächs mit Mutti über meinen Kinderalbtraum.
Wir sitzen in Glienicke am Küchentisch. Dass ich immer wieder diesen einen Traum hatte, in dem ich allein in meinem Kinderbett liege, die Bettwäsche ohne Bezug - nur dieser blaue Stoff um die Daunen, auf einer blau-gelb gestreiften Matratze. Mitten am Vormittag, denn ich bin krank und kann nicht in den Kindergarten gehen. Mutti ist Medizin in der Apotheke holen. Die Haustür steht offen und der Wind pfeift bis in mein Kinderzimmer hinein.
Da kommt ein fremder Mann mit einem grobleinenen Sack über der Schulter in unser Haus und direkt in mein Zimmer gestapft. Er hat ein schwarzfleckiges Gesicht. Wie ein Kohlenträger. Er nimmt seinen Sack von der Schulter und schüttet ihn über mir in meinem Kinderbett aus. Es fallen Champignons heraus und bilden über mir einen Berg, unter dem ich zu ersticken drohe. Dass ich an dieser Stelle immer aus dem Traum erwacht bin.
Mutti kann sich daran aber nicht erinnern. Das würde sie doch bemerkt haben, wenn ich als Kind an Albträumen gelitten hätte. Sie tippe eher auf meine überbordende Phantasie.
Ich werde wütend über ihre Ignoranz, die mir in letzter Zeit ohnehin Überhand zu nehmen scheint, jedenfalls was ihre Erinnerung an meine Kindheit anbelangt. Sage ihr das aber nicht, sondern gehe gekränkt.
Daran kann man sehen, welchen Schaden ein Mensch nehmen kann, wenn er nicht ernst genommen wird. Er wird introvertiert, arrogant und bitter.
Um Mittag herum zwei neue Klemmmappen in der Wörther Strasse. Fünf Euro das Stück, zum Sonderpreis. Eigentlich koste eine mindestens Neun Euro. Eine Frechheit ist das. Ich könnte mir in den Arsch beißen, dass ich damals nicht den ganzen Schwung aus Opas Nachlass genommen habe. Sie rochen mir zu stark nach Pfeifenqualm - so ein Schwachfug! Dafür sind diese jetzt sehr schön. Weinrot mit schwarzem Rücken und Anthrazit mit hellgrauem Rücken.
An handwerklich gut Verarbeitetes kann ich mein Herz verlieren. Karton und Papier sind ohnehin sehr schöne Materialien.
Gegen 14.00 Uhr dann bei Lubosch. Er schläft noch. Die Bettdecke hat er weggestrampelt, er schnarcht und liegt nackt auf dem Bauch. Rumpf unterhalb sieht er aus wie das Mädchen von Edward Munchs "Der Tod und das Mädchen". Schade, dass er nicht wissen würde, was ich meine, wenn ich es ihm sagte.
Schnieps kommt mir ständig hinterher gewuselt, als hätte ich je ein Schnitzel in meinen Arschtaschen. Ich werde ihn ab jetzt nur noch "Pestkatze" oder "35,- Euro" nennen, mal sehen. Wegen ihm muss ich nun ständig diese Toxoplasmose-Tests machen, die ich auch noch selber bezahlen muss, weil das die Kasse nicht trägt.
Frau M. will wissen, an welchen Tagen ich immer zur Schule müsste. Ich sage ihr, dass die Literaturort-Seite immer noch nicht funktioniert. Kein Wunder, wenn sie die vom 16-jährigen Sohn dieser Bibliothekarin basteln lassen. Aber sie ist ein wohl eher starrsinniger Mensch, lässt sich ungern von irgendwem reinreden.
Ich muss das ganze Gespräch über daran denken, wie herrlich dieser Zustand gerade ist - den ganzen Tag nur das tun zu können, was man will. In einer Woche ändert sich das. Für zwei Jahre zumindest. Ob ich das überhaupt noch ertragen kann, so eine Klassenzimmer-Situation?
Bringe den Treppen-Text für abends doch noch sehr schön zu Ende, wie ich finde. Seit mehreren Wochen der erste für die Bühne, der mir selbst richtig gefällt. Schade, dass Oigen nicht da sein wird. Er macht bei den Liedermachern mit.
Rufe M. an, eigentlich um zu fragen, ob sie nicht nach der Veranstaltung im Schulze vorbeikommen mag. Sie ist künstlich reserviert, wohl um ihrer Gekränktheit, weil ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe, Ausdruck zu verleihen. Sie sei im Stress. Wir streiten uns dann fast noch darüber, ob das, was ich da wöchentlich mache, überhaupt Literatur sei. Sie findet's Scheiße, ohne jegliche Begründung. Genau wie G. Er sagt "Das ist doch alles Schrott ohne Aussage!", war aber noch nicht ein einziges mal dort, um es sich anzusehen.
Die Veranstaltung ist sehr gelungen, obwohl Oigen und Albert nicht dabei sind. Fast ausnahmslos gute Texte, Falkes und Karlchens Musik ein Highlight des Abends. Sogar überraschend gut besucht. Die zwei Kicher-Frauen sind wieder da. Sie lachen unablässig so laut, dass sie manchmal sogar die Leser übertönen. Selbst bei der Musik klopfen sie sich auf die Schenkel. Sie halten es scheinbar für Standup Comedy. Zora gefällt mir immer besser. Seit ich weiß, dass sie genau wie ich noch am Daumen lutscht, fühle ich mich ihr fast schwesterlich verbunden. Sie ist ein echter Gewinn für die Truppe.
Oigen und Albert kommen gegen Mitternacht auch noch ins Schulze. Oigens Liedermacher-Veranstaltung wäre sehr gut gelaufen, er habe sich aber von Klinker zum Kiffen verleiten lassen.
Komischerweise verknallt sich ein bestimmter Schlag Männer immer in Karlchen. Albert wird ganz servil in seiner Gegenwart und Klinker hat mal mit großer Bewunderung in der Stimme behauptet "Der sieht phantastisch aus. Wie der junge Augstein." Fand ich ja auch immer.
Uwe kommt noch vorbei und sitzt bedrippst mit Spinne, dessen Kumpelin Swantje und Zora in den Tigersesseln rum. Swantje versucht schon den ganzen Abend ihren Fitness-Vertrag an jemanden zu verhökern. Bei Uwe scheint sie Erfolg zu haben.
Ich will gerade gehen, als Lubosch noch überraschend ins Schulze herein elft. Diejenigen, die schon während der Veranstaltung da waren müssen lachen, weil im Lisenkreuz-Text eine wohl ziemlich gelungene Beschreibung von ihm vorkam.
Ein Bier und er fährt das Musik-Equipment für Falke und Karlchen nach Pankow.
Lubosch will mich in seiner Fischbüchse mitnehmen, obwohl ich lieber mit meinem schönen Fahrrad fahren will. So kommt es hinten hinein und ich lande tatsächlich noch bei Klinker, Piefke und Tom im Pilger. Die sind dort die letzten und vollkommen breit. Es tut mir fast körperlich weh, wie sie da so hocken und lallen.
Lubosch trifft die Tragik auf den Punkt, als er im Gehen meint "Die sahen aus, als würden sie da schon seit zehn Jahren so sitzen und Revolution machen, in zehn Jahren sitzen sie auch noch so da, nur noch betrunkener". Dabei bin ich mir nicht ganz sicher, ob er das nicht vielleicht nur aus Wut auf Klinker sagt, weil der drinnen seine Beine kurz auf meine Knie gelegt, provozierend gegrinst und ihn dann gefragt hat, ob er nicht auch glaube, dass es für alles eine Lösung gäbe.
Fühle mich unbehaglich. Vor allem wegen des Traumes. Eigentlich nur die exakte Wiederholung eines Gesprächs mit Mutti über meinen Kinderalbtraum.
Wir sitzen in Glienicke am Küchentisch. Dass ich immer wieder diesen einen Traum hatte, in dem ich allein in meinem Kinderbett liege, die Bettwäsche ohne Bezug - nur dieser blaue Stoff um die Daunen, auf einer blau-gelb gestreiften Matratze. Mitten am Vormittag, denn ich bin krank und kann nicht in den Kindergarten gehen. Mutti ist Medizin in der Apotheke holen. Die Haustür steht offen und der Wind pfeift bis in mein Kinderzimmer hinein.
Da kommt ein fremder Mann mit einem grobleinenen Sack über der Schulter in unser Haus und direkt in mein Zimmer gestapft. Er hat ein schwarzfleckiges Gesicht. Wie ein Kohlenträger. Er nimmt seinen Sack von der Schulter und schüttet ihn über mir in meinem Kinderbett aus. Es fallen Champignons heraus und bilden über mir einen Berg, unter dem ich zu ersticken drohe. Dass ich an dieser Stelle immer aus dem Traum erwacht bin.
Mutti kann sich daran aber nicht erinnern. Das würde sie doch bemerkt haben, wenn ich als Kind an Albträumen gelitten hätte. Sie tippe eher auf meine überbordende Phantasie.
Ich werde wütend über ihre Ignoranz, die mir in letzter Zeit ohnehin Überhand zu nehmen scheint, jedenfalls was ihre Erinnerung an meine Kindheit anbelangt. Sage ihr das aber nicht, sondern gehe gekränkt.
Daran kann man sehen, welchen Schaden ein Mensch nehmen kann, wenn er nicht ernst genommen wird. Er wird introvertiert, arrogant und bitter.
Um Mittag herum zwei neue Klemmmappen in der Wörther Strasse. Fünf Euro das Stück, zum Sonderpreis. Eigentlich koste eine mindestens Neun Euro. Eine Frechheit ist das. Ich könnte mir in den Arsch beißen, dass ich damals nicht den ganzen Schwung aus Opas Nachlass genommen habe. Sie rochen mir zu stark nach Pfeifenqualm - so ein Schwachfug! Dafür sind diese jetzt sehr schön. Weinrot mit schwarzem Rücken und Anthrazit mit hellgrauem Rücken.
An handwerklich gut Verarbeitetes kann ich mein Herz verlieren. Karton und Papier sind ohnehin sehr schöne Materialien.
Gegen 14.00 Uhr dann bei Lubosch. Er schläft noch. Die Bettdecke hat er weggestrampelt, er schnarcht und liegt nackt auf dem Bauch. Rumpf unterhalb sieht er aus wie das Mädchen von Edward Munchs "Der Tod und das Mädchen". Schade, dass er nicht wissen würde, was ich meine, wenn ich es ihm sagte.
Schnieps kommt mir ständig hinterher gewuselt, als hätte ich je ein Schnitzel in meinen Arschtaschen. Ich werde ihn ab jetzt nur noch "Pestkatze" oder "35,- Euro" nennen, mal sehen. Wegen ihm muss ich nun ständig diese Toxoplasmose-Tests machen, die ich auch noch selber bezahlen muss, weil das die Kasse nicht trägt.
Frau M. will wissen, an welchen Tagen ich immer zur Schule müsste. Ich sage ihr, dass die Literaturort-Seite immer noch nicht funktioniert. Kein Wunder, wenn sie die vom 16-jährigen Sohn dieser Bibliothekarin basteln lassen. Aber sie ist ein wohl eher starrsinniger Mensch, lässt sich ungern von irgendwem reinreden.
Ich muss das ganze Gespräch über daran denken, wie herrlich dieser Zustand gerade ist - den ganzen Tag nur das tun zu können, was man will. In einer Woche ändert sich das. Für zwei Jahre zumindest. Ob ich das überhaupt noch ertragen kann, so eine Klassenzimmer-Situation?
Bringe den Treppen-Text für abends doch noch sehr schön zu Ende, wie ich finde. Seit mehreren Wochen der erste für die Bühne, der mir selbst richtig gefällt. Schade, dass Oigen nicht da sein wird. Er macht bei den Liedermachern mit.
Rufe M. an, eigentlich um zu fragen, ob sie nicht nach der Veranstaltung im Schulze vorbeikommen mag. Sie ist künstlich reserviert, wohl um ihrer Gekränktheit, weil ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe, Ausdruck zu verleihen. Sie sei im Stress. Wir streiten uns dann fast noch darüber, ob das, was ich da wöchentlich mache, überhaupt Literatur sei. Sie findet's Scheiße, ohne jegliche Begründung. Genau wie G. Er sagt "Das ist doch alles Schrott ohne Aussage!", war aber noch nicht ein einziges mal dort, um es sich anzusehen.
Die Veranstaltung ist sehr gelungen, obwohl Oigen und Albert nicht dabei sind. Fast ausnahmslos gute Texte, Falkes und Karlchens Musik ein Highlight des Abends. Sogar überraschend gut besucht. Die zwei Kicher-Frauen sind wieder da. Sie lachen unablässig so laut, dass sie manchmal sogar die Leser übertönen. Selbst bei der Musik klopfen sie sich auf die Schenkel. Sie halten es scheinbar für Standup Comedy. Zora gefällt mir immer besser. Seit ich weiß, dass sie genau wie ich noch am Daumen lutscht, fühle ich mich ihr fast schwesterlich verbunden. Sie ist ein echter Gewinn für die Truppe.
Oigen und Albert kommen gegen Mitternacht auch noch ins Schulze. Oigens Liedermacher-Veranstaltung wäre sehr gut gelaufen, er habe sich aber von Klinker zum Kiffen verleiten lassen.
Komischerweise verknallt sich ein bestimmter Schlag Männer immer in Karlchen. Albert wird ganz servil in seiner Gegenwart und Klinker hat mal mit großer Bewunderung in der Stimme behauptet "Der sieht phantastisch aus. Wie der junge Augstein." Fand ich ja auch immer.
Uwe kommt noch vorbei und sitzt bedrippst mit Spinne, dessen Kumpelin Swantje und Zora in den Tigersesseln rum. Swantje versucht schon den ganzen Abend ihren Fitness-Vertrag an jemanden zu verhökern. Bei Uwe scheint sie Erfolg zu haben.
Ich will gerade gehen, als Lubosch noch überraschend ins Schulze herein elft. Diejenigen, die schon während der Veranstaltung da waren müssen lachen, weil im Lisenkreuz-Text eine wohl ziemlich gelungene Beschreibung von ihm vorkam.
Ein Bier und er fährt das Musik-Equipment für Falke und Karlchen nach Pankow.
Lubosch will mich in seiner Fischbüchse mitnehmen, obwohl ich lieber mit meinem schönen Fahrrad fahren will. So kommt es hinten hinein und ich lande tatsächlich noch bei Klinker, Piefke und Tom im Pilger. Die sind dort die letzten und vollkommen breit. Es tut mir fast körperlich weh, wie sie da so hocken und lallen.
Lubosch trifft die Tragik auf den Punkt, als er im Gehen meint "Die sahen aus, als würden sie da schon seit zehn Jahren so sitzen und Revolution machen, in zehn Jahren sitzen sie auch noch so da, nur noch betrunkener". Dabei bin ich mir nicht ganz sicher, ob er das nicht vielleicht nur aus Wut auf Klinker sagt, weil der drinnen seine Beine kurz auf meine Knie gelegt, provozierend gegrinst und ihn dann gefragt hat, ob er nicht auch glaube, dass es für alles eine Lösung gäbe.
Bettina Andrae - am Samstag, 08. Februar 2003, 00:43
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Ich werde hier in Kürze heimtückisch in einen womöglich noch nicht aller Welt bekannten Wettstreit im *chroniken* mit
Falko Hennig
http://www.falko-hennig.de/rest/stagbuch.htm
und Jochen Schmidt
http://enthusiasten.blogspot.com/
treten. Meine noch unwissenden Kollegen haben momentan allerdings einen kleinen Vorsprung.
Bis die Tage
Bettina Andrae
Falko Hennig
http://www.falko-hennig.de/rest/stagbuch.htm
und Jochen Schmidt
http://enthusiasten.blogspot.com/
treten. Meine noch unwissenden Kollegen haben momentan allerdings einen kleinen Vorsprung.
Bis die Tage
Bettina Andrae
Bettina Andrae - am Freitag, 07. Februar 2003, 12:02
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