Morgens wütend in die Wörther Strasse. Was ich sonst alles machen könnte!
Kurz nach Ladenöffnung, kommt LO als erstes herein. Ich erledige gerade Bestellungen, da sieht er mich.
"Hä? Bettina? Wat machst'n du hier, kleene Büchermaus, oder wat?"
Die Kollegin sieht verwundert zu mir herüber.
"Hmm, naja.. arbeiten."
"Darum seh ick dich hier in letzter Zeit ständig irgendwo in der Gegend."
"Hmm.."
Wahrscheinlich bin ich rot im Gesicht.
Er hat einen Thailand-Reiseführer bestellt.
"Ick muss mit meener kleen' Tochter nach Thailand fahr'n."
"Hmm.. hihi. Aha."
Ich bin froh, als er wieder weg ist.
Die Kollegin will wissen, ob ich den kenne, ein Stammkunde sei das, der Herr S.
Ich sage ihr, dass das der Zeichner von den Strichmännchen ist. Ach so?
Vor ein paar Jahren habe ich so schön mit ihm getanzt. Er ist jemand, der mir unheimlich ist, weil alles an ihm zu stimmen scheint. Ein schöner Mann. Man meint immer, er müsse gleich einen Spaten aus der Tasche holen und damit beginnen, einen Acker umzugraben. Selbstverständlich mit freiem Oberkörper.
Wurstle mich bis 16.00 Uhr durch und fahre dann zu Lubosch. Er hat schon gewartet.
Seine Eltern sitzen in der Küche und schweigen. Er schweigt noch mehr.
"Tach!", sage ich, um die Stimmung zu lockern.
"Ich hab vielleicht einen Hunger, kann ich da den Rest Nudeln haben?"
Lubosch nickt. Er scheint verzweifelt.
Dann fängt seine Mutter an "Ich musste ja hier erstmal alles putzen, das sah ja aus hier! Na ja, man sieht eben, dass das kein Frauenhaushalt ist. Dabei ist das so eine schöne Wohnung, mein Junge. Da könnte man mit ein bissel Geschmack ein richtiges Puppenstübchen draus machen!"
Sein Vater starrt angestrengt aus dem Fenster. Er scheint die Reden seiner Frau überhören gelernt zu haben.
Ich versuche es mit einem lauen Scherz, im dem ich auf die Schokoladenwaffeln, die auf dem Tisch liegen, deutend sage "Oh, Du hast gebacken Lubosch. Wie schön."
Sie scheinen aufzutauen. Der Vater erkundigt sich nach Luboschs Zukunftsplänen und die Mutter erzählt mir von ihren Krankheiten, von ihrem Urlaub, von ihrer schönen Küche und davon, dass der Lubosch ihr ja immer so viel Kummer gemacht habe damals. Da müsse man sich gar nicht wundern, dass man krank wird.
Immer, wenn der Vater etwas zu erzählen versucht, unterbricht sie ihn und redet wieder von ihren Krankheiten.
Ich kann nicht mehr zuhören. Mir dröhnt der Schädel. Sie sagt, ich müsse mal vorbei kommen, unbedingt. Ich nicke einfach. Lubosch sieht mich warnend an.
Extrem hibbelig warte ich ab, bis sie sich endlich verabschieden. Bin immer kurz davor zu brüllen: SCHNAUZE!!
Dann habe ich nur noch eine halbe Stunde Zeit um mir für abends Texte herauszusuchen.
Lubosch fährt mich zur Kantine.
Meine Mutter und meine Schwester sitzen im Publikum.
Die Veranstaltung gefällt mir. Vor allem Schote ist sehr gut. Das hatte ich gar nicht so in Erinnerung. Extrem trocken, mit etwas von dem nötigen Kummer dabei.
Meine Mutter ist traurig, dass ich nicht noch mit ihr und meiner Schwester irgendetwas trinken gehen will. Ich biete ihr an, doch dorthin mitzukommen, wo wir alle jetzt noch hingingen. Nach einem reinen Familienabend steht mir gerade einfach nicht der Sinn. Das versteht sie, aber mitkommen mag sie nicht.
Nachts ziehe ich noch mit dem schon sehr betrunkenen Hans in die Kastanienalle um. Ich bestelle ein Tonic-Wasser, bekomme ein Gin-Tonic und trinke es trotzdem. Meine Schwester hatte mich schon bei der Weinschorle böse angesehen.
Unterhalte mich unverhofft gut mit Hans, trotz seines Zustandes.
Kurz nach Ladenöffnung, kommt LO als erstes herein. Ich erledige gerade Bestellungen, da sieht er mich.
"Hä? Bettina? Wat machst'n du hier, kleene Büchermaus, oder wat?"
Die Kollegin sieht verwundert zu mir herüber.
"Hmm, naja.. arbeiten."
"Darum seh ick dich hier in letzter Zeit ständig irgendwo in der Gegend."
"Hmm.."
Wahrscheinlich bin ich rot im Gesicht.
Er hat einen Thailand-Reiseführer bestellt.
"Ick muss mit meener kleen' Tochter nach Thailand fahr'n."
"Hmm.. hihi. Aha."
Ich bin froh, als er wieder weg ist.
Die Kollegin will wissen, ob ich den kenne, ein Stammkunde sei das, der Herr S.
Ich sage ihr, dass das der Zeichner von den Strichmännchen ist. Ach so?
Vor ein paar Jahren habe ich so schön mit ihm getanzt. Er ist jemand, der mir unheimlich ist, weil alles an ihm zu stimmen scheint. Ein schöner Mann. Man meint immer, er müsse gleich einen Spaten aus der Tasche holen und damit beginnen, einen Acker umzugraben. Selbstverständlich mit freiem Oberkörper.
Wurstle mich bis 16.00 Uhr durch und fahre dann zu Lubosch. Er hat schon gewartet.
Seine Eltern sitzen in der Küche und schweigen. Er schweigt noch mehr.
"Tach!", sage ich, um die Stimmung zu lockern.
"Ich hab vielleicht einen Hunger, kann ich da den Rest Nudeln haben?"
Lubosch nickt. Er scheint verzweifelt.
Dann fängt seine Mutter an "Ich musste ja hier erstmal alles putzen, das sah ja aus hier! Na ja, man sieht eben, dass das kein Frauenhaushalt ist. Dabei ist das so eine schöne Wohnung, mein Junge. Da könnte man mit ein bissel Geschmack ein richtiges Puppenstübchen draus machen!"
Sein Vater starrt angestrengt aus dem Fenster. Er scheint die Reden seiner Frau überhören gelernt zu haben.
Ich versuche es mit einem lauen Scherz, im dem ich auf die Schokoladenwaffeln, die auf dem Tisch liegen, deutend sage "Oh, Du hast gebacken Lubosch. Wie schön."
Sie scheinen aufzutauen. Der Vater erkundigt sich nach Luboschs Zukunftsplänen und die Mutter erzählt mir von ihren Krankheiten, von ihrem Urlaub, von ihrer schönen Küche und davon, dass der Lubosch ihr ja immer so viel Kummer gemacht habe damals. Da müsse man sich gar nicht wundern, dass man krank wird.
Immer, wenn der Vater etwas zu erzählen versucht, unterbricht sie ihn und redet wieder von ihren Krankheiten.
Ich kann nicht mehr zuhören. Mir dröhnt der Schädel. Sie sagt, ich müsse mal vorbei kommen, unbedingt. Ich nicke einfach. Lubosch sieht mich warnend an.
Extrem hibbelig warte ich ab, bis sie sich endlich verabschieden. Bin immer kurz davor zu brüllen: SCHNAUZE!!
Dann habe ich nur noch eine halbe Stunde Zeit um mir für abends Texte herauszusuchen.
Lubosch fährt mich zur Kantine.
Meine Mutter und meine Schwester sitzen im Publikum.
Die Veranstaltung gefällt mir. Vor allem Schote ist sehr gut. Das hatte ich gar nicht so in Erinnerung. Extrem trocken, mit etwas von dem nötigen Kummer dabei.
Meine Mutter ist traurig, dass ich nicht noch mit ihr und meiner Schwester irgendetwas trinken gehen will. Ich biete ihr an, doch dorthin mitzukommen, wo wir alle jetzt noch hingingen. Nach einem reinen Familienabend steht mir gerade einfach nicht der Sinn. Das versteht sie, aber mitkommen mag sie nicht.
Nachts ziehe ich noch mit dem schon sehr betrunkenen Hans in die Kastanienalle um. Ich bestelle ein Tonic-Wasser, bekomme ein Gin-Tonic und trinke es trotzdem. Meine Schwester hatte mich schon bei der Weinschorle böse angesehen.
Unterhalte mich unverhofft gut mit Hans, trotz seines Zustandes.
Bettina Andrae - am Dienstag, 18. Februar 2003, 21:52