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Morgens um 7.00 Uhr steige ich Märkisches Museum von der U-Bahn in den Bus. Lege dem Fahrer ungefähr drei Euro in kleinen Münzen auf seine Kassenapparatur, wovon ich dann zwischen Kontrollblicken in das Fahrergesicht nach und nach wieder neunzig Cent zurücknehme. Bis der Preis für einen Fahrschein stimmt.
Wahrscheinlich werde ich für minder begabt oder eine Ausländerin gehalten.
Ich bin lange nicht mehr mit dem ÖPNV gefahren, zumindest nicht mit Fahrschein.

Ruderverein Welle-Poseidon, Bruahahah..

"Ein Mann in Mantel sah zur Schwester herüber". Stimmt. Das regt die Phantasie an, man muss die Adjektive möglichst weglassen.

Über dem Gedanken verpasse ich die Station Schlesisches Tor und fahre noch etliche Minuten weiter, weil ich mir nicht sicher bin, ob Schlesisches Tor nicht erst noch kommt.
Kurz vor der Warschauer wird mir der Fehler bewusst.

Ich muss eine Kurzstrecke mit dem Taxi nehmen, um meinen Termin zur Anmeldung wahrnehmen zu können. Ich hasse Unpünktlichkeit. Sie ist fast immer zu vermeiden.
Unpünktliche Menschen sind zumeist Wichtigtuer. Oder es ist pathologisch.

Bei Betreten des Schulgebäudes bekomme ich regelrecht Magenschmerzen. Schon der Geruch.

Damals war ich so glücklich, als mit dem Abitur die Schule endlich vorbei war. Das letzte Jahr ohnehin nur noch zu den Prüfungen dort gewesen. Ich habe die Schule gehasst.

Und nun setze ich mich dieser Situation freiwillig wieder aus.
War es nicht doch ein Fehler, das Studium abzubrechen? Auch wenn es mir immer mehr sinnlos erschien, allein die damit verbundene Freiheit werde ich sicherlich vermissen.
Bekomme plötzlich wieder richtige Lust zu studieren. Sogar ein Thema zur Magisterarbeit fällt mir ein.
Vielleicht hat es seinen Sinn, ich lerne einen Luxus schätzen.

Der Grund, weshalb ich mich eine halbe Stunde vor Unterricht im Sekretariat melden sollte, ist eine benötigte Unterschrift von mir. Zehn Sekunden.

Mein erster Eindruck von der Klasse, zu der ich ein Semester später stoße, weil ich die Lehrzeit um ein Jahr verkürzen darf, ist der eines Haufen Abiturienten.

Wie sehr ich mich getäuscht habe, sehe ich auf einer Liste, in die ich mich mit ein paar persönlichen Angaben eintragen soll.
Die meisten sind älter als ich. Einer sogar schon Achtunddreissig, promovierter Politologe. Was sucht der hier?
Was mache ich denn hier?

Das Gesicht eines runden, blonden Mädchens kommt mir bekannt vor. Sie sieht die ganze Zeit lächelnd zu mir herüber. Woher kenne ich sie?

Die meisten sagen "Wir" oder "bei Uns", wenn sie von der Buchhandlung, wo sie arbeiten sprechen. Wie schnell das mit der Identifikation immer geht.

Die intellektuell größte Herausforderung des Tages ist, zu erläutern, worum es sich bei einem Kreisdiagramm handelt.

Man müsse zu achtzig Prozent anwesend sein, sonst würde man nicht zur Prüfung zugelassen.
Die schöne Zeit.

In der Kantine oder Mensa oder was.. fressen sie alle Fritten aus essbaren Waffel-Schalen. Obwohl es wahlweise drei anständige Tages-Gerichte gibt.

Glücklicherweise schon ab 14.00 Uhr Schluss. Immer nur sechs Stunden.

Herrlicher Sonnenschein, über den ich meinen Missmut vergesse.
Am Fenster Judith Hermanns Gespenster. Gar nicht schlecht manches, nur sehe ich nicht die viel beschworene Weiterentwicklung.
Schon ein seltsamer Vorwurf, das mit der Nabelschau, obwohl er freilich zutrifft. Eigentlich ja fast immer zutrifft.

Lubosch legt abends auf, ich habe aber keine Lust wegzugehen.
Stattdessen bis 22.00 Uhr am Sawatzki, dann tot.
Werde ich zum Zombie?
 

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