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Glaube meinen Augen nicht zu trauen, als ich morgens in der Wörther Strasse ankomme und direkt vor der Buchhandlung das grüne Pappauto steht. Leide ich unter Verfolgungswahn? Soll ich ins seelische Abseits getrieben werden?
Vielleicht ist es auch nur eine Art Projekt zum Zwecke der Manipulation und Kontrolle. Haaaaaaaaaaaa..

Innerlich so erregt, dass wohl auch äußerlich erkennbar trete ich im Laden auf den Kollegen zu, gebe ihm die Hand zum Morgengruß, doch der sieht entsetzt in mein Gesicht. Wohl weil meine Züge noch irgendwie entgleist sind.

Dann den ganzen Tag über Remittenden erledigen und Verlagsbestellungen durchrechnen.
Endlos und eintönig.
Aber immerhin habe ich dafür meine eigene Ecke an einem Tischlein in der Kinderbuch-Abteilung.
Komme mir dort zwar vor, wie eine zu groß geratene Puppe im Puppenhaus, freue mich aber an meiner Autarkie dort hinten.

Nur ab und an kommen Kunden und stören mich.
Vornehmlich geistesgestörte Mütter, wie mir scheint.

"Was haben sie denn über Kinderkrankheiten da, so im Kleinkind-Stadium, so Hausmittel auch.."
"Hier bei der Pädagogik im Gesundheits-Fach. Zwei Titel haben wir dazu. Sie können gern hinein sehen."
"Welches ist denn besser?"
"Das kommt ganz darauf an, wonach sie suchen. Dieses hier ist eher medizinisch-wissenschaftlich und dies mit vielen Abbildungen und auch einfacher geschrieben. Blättern sie doch einfach ein wenig darin."
"Nein. Welches empfehlen sie mir denn?"

Rrrrghhhhh!

"Ich selbst habe beide Bücher nicht gelesen. Das müssen sie entscheiden. Wieviel wollten sie denn ausgeben?"
"Hmmm, aber sie verkaufen doch die Bücher. Sie müssen doch wissen, was sie da verkaufen!"
"Sehen sie, dort vorn, diese Tantra- und Yogabücher? Habe ich auch alle nicht gelesen."

Mist!

Der Kollege schaut schon immer misstrauisch zu mir. Soll er sich doch mit solchen Leuten abgeben.
Zum Schluss kauft die Frau gar nichts.

Oder etwas später.
Ich setze gerade zum dritten Mal an ein und der selben Stelle einer Rechnung an, da fragt mich eine Mutter mit Kind an der Hand "Haben sie von den Pappheftchen zu 1,20 hier auch Dornröschen da? Wir suchen Dornröschen."
"Es sind nur die Hefte da, die in der Schale da vor ihnen liegen."

Ein großer rot-grüner Plastik-Zwerg hält eine Schale in den Händen. Darin liegen etwa zwanzig kleine Pappheftchen. Bebilderte Märchen. Sehr lieblos und hässlich.

"Können sie bitte nachsehen, ob Dornröschen dabei ist?"
Ich krauche hinter meinem Tischlein mit den Rechnungen hervor, gehe zu dem großen Zwerg, vor dem die Mutter mit ihrem Kind steht, und wühle etwa dreißig Zentimeter vor ihren Augen in der Schale herum. Nach einer halben Minute weiß ich "Nein, Dornröschen ist nicht dabei. Tut mir leid."
"Vorgestern war es auch schon nicht dabei!"
"Ja, die Heftchen kommen immer in solchen Boxen als ganze Serien. Einzeln kann mann die nicht nachbestellen. Wir bekommen die erst wieder in zwei Wochen rein. Ich kann sie ja für Dornröschen vormerken."
"Das hat ihre Kollegin vorgestern auch schon gesagt!"

Rrrrghhhh!

In der Mittagspause finde ich endlich Zeit und Ruhe, beim Inder etwas aufzuschreiben.

Wird man automatisch geisteskrank, sobald man geworfen hat oder werfen hat lassen?

Am frühen Abend setzt sich ein Vater auf das rote Stühlchen neben mich und liest seinem etwa dreijährigen Sohn eine gute Stunde lang in einer Wahnsinns-Lautstärke aus "Mein Esel Benjamin", "Ben liebt Anna" und "Henriette Bimmelbahn" vor. Sein Sohn interessiert sich dafür aber einen Dreck und schmeißt lieber die Bilderbücher aus dem Regal. Dafür wiederum interessiert sich der Vater nun nicht.
Ich vermute, dass er Schauspieler oder professioneller Sprecher ist. Bei der Betonung und der Stimme!

Um 19.00 Uhr muss ich ihn bitten aufzustehen und zu gehen, da der Laden geschlossen werden soll.
Murrend ziehen er und sein Sohn leine.

Vor dem Laden noch immer das grüne Ding.

Kein Wunder, dass ich abends im Schulze keine rechte Freude mehr am Zuhören habe.
Verziehe mich unmittelbar nach der Veranstaltung, die bis auf den Schluss langweilig, schlecht und unsympathisch verlief, sofort nach Hause.
Das einzig Gute waren Maxe mit seinem House of Lichtenberg-Lied und dem professoralen Ur- und Früh-Geschichts-Vortrag.
 

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