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Um 7.30 Uhr morgens ein Termin bei Frau Saffert, den ich mir nur deshalb so früh geben ließ, weil ich eigentlich glaubte, schon diese Woche immer 9.30 Uhr in der Wörther Strasse sein zu müssen. Dieser Trugschluss beschert mir aber die schöne Busfahrt durch die morgendliche, verschneite Landschaft.
Lubosch fährt mich noch bis zum Bus, da er gerade kommt als ich mich auf den Weg machen will. Er erzählt von Spinne und Dose und dass es im Muff-Club total lange abging.

Immer wieder verwunderlich, dass Schnee hier draußen schon oder noch liegt, wenn er in der Stadt noch oder schon taut. Die paar Kilometer.

Ich hätte den Arzt ja nach meinem Auszug eigentlich auch mal wechseln können, dann hätte ich es nicht immer so weit. Aber schließlich war Frau Saffert in Maria Heimsuchung schon bei meiner Geburt dabei.

Ich muss mich wiegen und wieder freuen sie sich über die Zunahme so sehr wie sie mich ärgert. Schon über vier Kilogramm seitdem. Fünfzehn seien zu erwarten und ganz normal, sagt die Schwester mit einem Grinsen, dass mir geradezu gehässig erscheint.
Während der Ultraschall-Untersuchung habe ich das Gefühl, Frau Saffert registriert misstrauisch mein Unwohlsein und schlecht überspieltes Desinteresse. Mit fortschreitender Untersuchungsdauer nimmt beides zu. Ich will hier eigentlich wieder weg, mir nicht irgendwelche Knochenquerschnitte ansehen, Blubbergeräusche anhören und Herzströme auf Graphiken verfolgen.

Ich bekomme wieder so ein Photo und den Mutterpass. Ich muss laut lachen als ich ihn in Händen halte. Mutterpass - das klingt nach Lebensborn-Heim und Mutterkreuz. Das sage ich Frau Saffert allerdings nicht, obwohl ihre Blicke nach Aufklärung zu verlangen scheinen.

Zum Abschluss bekomme ich von der Schwester noch feierlich einen schweren Karton überreicht, auf dem bald... - das Geschenkpaket für die werdende Mutter steht. Er wiegt mindestens drei Kilogramm, die ich jetzt in meinen Rucksack stopfen und mit nach Hause nehmen muss.
Erinnere mich, dass Dose mir schon irgendwas davon erzählt hat.

Auf der Rückfahrt im Bus untersuche ich das Geschenk. Ein Haufen Werbezeitungen für Babybrei, Kinderkosmetik und solchen Kram. Schweinerei!
Sehe mir den Mutterpass an und stelle mit Entsetzen fest, dass dort bei Verdacht auf Mehrlinge Ja angekreuzt ist.
Waaaas? Das kann nicht wahr sein. Das hätte mir Frau Saffert doch... Ich hätte doch besser richtig auf den Bildschirm gucken sollen. Hat Uwe nicht erzählt...
Verdammt! Ist das jetzt die Rache dafür, dass ich mich trotz allem nicht dagegen entschieden habe?

Vollkommen aufgelöst in die Lotterstrasse. Lubosch schläft.
Ich muss das klären. Rufe in der Praxis an, ich wäre gerade da gewesen, hätte diesen Pass bekommen und dann das Kreuz bei Ja. Warum?
Die Schwester lacht mich aus. Nein, da läge natürlich ein Fehler vor. Sie hätte ein älteres Modell gegriffen, da sind die Ja- und Neinfelder noch anders herum als bei den neuen. Ein reiner Gewohnheitsfehler. Sie sagt tatsächlich Gewohnheitsfehler.
Beruhigung über den Fakt und Ärger wegen der Schlampigkeit wechseln sich ab. Aber nicht, dass ich das an Ort und Stelle herauslassen würde - nein das tue ich erst Stunden später Lubosch gegenüber. Typisch.

Uwe antwortet schnell auf meine Post, in der ich auf seine Sorgen um die eigene Gesundheit eingegangen bin und ihm seine Informationspolitik vorgeworfen habe. Seine Witze lassen darauf schließen, dass er nun etwas entspannter ist.

Gegen 11.00 mit Oigen im Übereck. Unsere Pläne bezüglich des Ortes scheinen sofort geplatzt. Schon bei Betreten des Cafés ein Schild an der Eingangstür, das die montäglichen Konzerte dort bewirbt.
Oigen bestellt ein kleines Frühstück, das er erst als viel zu groß befindet und dann doch ratzekahl auffuttert. Ich nehme Rühreier.
Lustig, dass es ihm genauso ging wie mir, als er Ludmillas langen Text in der Frankfurter Rundschau gesehen hat. Ich habe es den anderen ja auch geradezu unter die Nase gerieben, sonst wären sie wohl gar nicht darauf gestossen. Ludmilla selbst hat auch nichts gesagt.
Oigen hatte sogar den gleichen bösen ersten Gedanken dabei wie ich. Dass es eigentlich nur Neid ist, darüber sind wir uns einig und lästern deshalb guten Gewissens weiter. Er verabschiedet mich mit den Worten "Jetzt aber wieder an die Arbeit" und keiner muss darüber lachen, weil es etwa Ironie gewesen wäre.

Beim Rückweg mit dem Fahrrad ärgere ich mich dann aber doch über mich. Schließlich, selbst wenn dem bösen Gedanken eine Tatsache zugrunde läge, würde es gar nichts bedeuten. Was hätte man bei mir schon alles Böses denken können, wenn man gewollt hätte. Außer bei Rocco hatte ich da aber noch bei niemandem das Gefühl. Sowieso, Rocco gegenüber habe ich Berührungsängste. Wenn ich ihn zufällig treffe, bemühe ich mich, schnell woanders hinzusehen, damit er denkt, ich hätte ihn gar nicht bemerkt und ich ihn nicht unsicher grüßen muss. Ich glaube ihm sogar einen Gefallen damit zu tun.
Interessanterweise habe ich an ihm das gleiche Verhalten gegenüber Lubosch beobachtet. Er stellt sich nur ungeschickter an, blickt ihm kurz ins Gesicht und sieht dann erst weg. Vielleicht ist es auch Absicht so.

Am Mac nochmal Uwe-Post. Er wirkt regelrecht gelöst, wird frech.

Bis zum frühen Abend dann: stückeln am Sawatzki.
Lubosch erzählt mir von einem Wettbewerb, bei dem man ein 400 Euro teures Handspring Treo gewinnen kann, wenn man ein Gedicht zum Thema Das anstehende macnews.de-Jubilaeum schickt, das sie da gut finden.
Ob ich ihm nicht schnell eins schreiben wolle, das er dann schicken könne. Er müsse unbedingt das Teil gewinnen. Ein Palm mit Handy und irgendwelchem Schnick-Schnack. Ich lehne ab, weil ich doch diese mac-news gar nicht abonniert und deshalb keine Themenvorstellung habe.
Egal, irgendwas mit Mac halt, bitte!

Also schreibe ich.

mac mac mac

an dir hab ich nur freude
du bist mein liebstes tier
die eleganz von seide
doch power wie ein stier

mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock


mein herz hüpft wie ein icon
hopp - im 3/4 takt
sich finder, mail und itune
entfalten - nix abkackt

mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock

beliebst du mal zu zicken
vereitelst meine clous
tu ich nachsichtig nicken
und wend' mich an die news

mac mac mac - du bist die ziege
mac mac mac - ich bin der bock
mac mac mac - weil ich dich liebe
geh ich stets auf dein dock



Herrlich! Und alles klein geschrieben, wie bei echter Lyrik. Lubosch ist von seinem Gewinn überzeugt. Es macht ihm richtig Freude, seinen Namen darunter zu setzen. Vielleicht ist er tief in seinem Herzen ja auch ein Dichter.

Mit Rick und Lubosch Pizza. Schmeckt scheußlich.
Überlege, ob ich zu Falkes und Karlchens Auftritt gehe, habe aber keine Lust auf das Drumherum.
Stattdessen dann zu meiner Schwester in ihre neue Wohnung. Hell, ruhig, riesengroß, zwei Balkone und schon zum Wohlfühlen, obwohl gerade erst bezogen. Neid.
Dafür ist sie neidisch auf mich. "Du kannst das dann immer zu mir bringen, ich würde mich freuen."
 

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